Die AllgäuWeite ist ein christliches Gästehaus im schönen Allgäu mit Bergkulisse und großem Badesee, in dem es jedes Jahr viele Begegnungen gibt. Letztes Jahr hatten wir über 26.000 Übernachtungen bei uns im Haus, das sind viele Begegnungen, und viele davon sind prägend. Aber was bedeutet „prägend“. Laut Duden wird das Wort umschrieben mit „den Stempel aufdrücken“ oder „eine Wirkung ausüben“. Es geht also um ganz besondere Begegnungen, die in unserem Leben eine Wirkung hinterlassen oder nachhaltig ihren Stempel aufdrücken. Im Leben gibt es viele Begegnungen, aber wirklich prägend sind nachhaltige Begegnungen, die uns wirklich in Erinnerung bleiben.
Mit Frau Dr. Kortenbruck-Hoeijmans, die jetzt schon einige Jahre zu uns ins Haus kommt, hatte ich so eine prägende Begegnung, die mir in den Sinn gekommen ist. Lesen Sie selbst, wie Frau Dr. Kortenbruck-Hoeijmans diese Begegnung erlebt hat und beschreibt:
Herzlichkeit und Ökumene im Urlaub
In den Osterferien 2017 war ich zum ersten Mal zu Gast in der AllgäuWeite in Moosbach. Mein erwachsener Enkelsohn, in Kempten wohnend, hatte sich meinen Besuch gewünscht und im Internet das „Christliche Gästehaus AllgäuWeite“ in Moosbach entdeckt. Zusammen mit Tochter und Schwiegersohn, die in Moosbach direkt am Rottachsee eine Ferienwohnung gebucht hatten, reiste ich in erwartungsvoller Stimmung an.
Es war ein milder Frühlingstag und wir machten es uns nach der Ankunft auf der Terrasse der AllgäuWeite mit herrlichem Ausblick auf den im Tal liegenden Rottachsee bequem. Genuss pur! - Da entdeckte meine Tochter – engagierte Sonderpädagogin – wenige Meter von uns entfernt eine junge Familie, zu der ein etwa 5-jähriges Mädchen gehörte. „Ein Kind mit Down-Syndrom“, raunte sie mir zu. Schnell fand sich Kontakt zu der jungen Familie und ein reger Gedankenaustausch begann.
Als meine Tochter sich verabschiedete, um ihr eigenes Quartier aufzusuchen und auch die junge Familie ins Haus gegangen war, blieb ich nachdenklich alleine auf der Terrasse zurück und begann die Vielfalt, Begegnungsmöglichkeiten und die Gastlichkeit dieses Hauses zu erahnen.
Da hörte ich eine fröhliche Männerstimme über mir, schaute hoch und sah einen mir fremden Herrn (Herrn Stöhr, den Leiter des Hauses, wie sich herausstellte) im ebenfalls fröhlich wirkenden karierten Oberhemd am Fenster über mir, der, wie er sagte, vermutete, dass ich ein neuer Gast sei und anbot, herunter zu kommen, um mir das Haus zu zeigen. Gerne nahm ich den Vorschlag an und so gingen wir plaudernd durch das Haus, und Herr Stöhr hielt immer wieder inne, um etwas zu erklären und meine Fragen zu beantworten.
So erreichten wir zum Abschluss unseres Rundganges die obere Etage mit dem großen Raum für Gemeinschaftsveranstaltungen, wie z.B. Gottesdienste oder auch die täglichen Bibelimpulse, die zu meiner Freude schon auf der Homepage angekündigt waren. Mit der Geste des Hausherrn öffnete Herr Stöhr nun die letzte Tür unseres gemeinsamen Rundganges: „Das hier ist unsere Kapelle.“ Erwartungsvoll schaute ich hinein, war irritiert, dachte nach und sagte: „Aber das ist ja keine katholische Kapelle, so wie ich sie kenne...“
Und so erfuhr ich, dass ich in einem evangelischen Gästehaus war, obwohl das Allgäu hauptsächlich katholisch geprägt ist! Ich fühlte mich verunsichert: War ich hier willkommen? Da ich selbst katholisch bin. Aber Herr Stöhr, der meine Gedanken zu erahnen schien, zerstreute meine Bedenken recht schnell, indem er betonte, dass er sich freue, dass durch meine Anwesenheit so etwas wie „Ökumene“ stattfände.
Abends nahm ich am ersten Bibelimpuls teil, und als ich mit einigen anderen Teilnehmern, dankbar wegen des soeben Gehörten, die Treppe herunterkam, stand mein Enkel, der alles so wunderbar „eingefädelt“ hatte, lachend im Flur, um mich an diesem, meinem „Ankunftstag“ zu begrüßen.
Das kleine Mädchen mit Down-Syndrom entdeckte mich am nächsten Morgen im Speiseraum und rannte auf dem Weg zum Frühstücksbüffet mit einem fröhlichen und herzlichen „Guten Morgen“ an meinem Tisch vorbei, und das tat sie nun an jedem Tag des gemeinsamen Urlaubs. Das erfreute mich sehr.
Und Herr Stöhr und ich? Wir sind inzwischen, während meiner zahlreichen Urlaube in der AllgäuWeite, so etwas wie „ziemlich beste Freunde“ geworden.
Ja, „ES SIND DIE BEGEGNUNGEN MIT MENSCHEN, DIE DAS LEBEN LEBENSWERT MACHEN.“ (Nach Guy de Maupassant)
Frau Dr. Kortenbruck-Hoeijmans
Gott wird im freundlichen Miteinander erfahrbar
Das Gästehaus AllgäuWeite schenkt den vielfältigen Gästen die Möglichkeit im Alltag inne zu halten und sich eine Auszeit, in schöner Atmosphäre und wunderbarer Natur zu nehmen und bietet viel Raum und Weite für prägende Begegnungen mit Menschen, aber auch mit Gott.
Denn Gott wird auch „sichtbar“ und erfahrbar dadurch, wie Menschen einander in Freundlichkeit begegnen.
Die Stiftung Hensoltshöhe, Träger des Christlichen Gästehauses AllgäuWeite, hat als schönes Stiftungsziel, dass sich „Himmel und Erde“ berühren. Der Himmel repräsentiert dabei die Wirklichkeit Gottes und die Erde den Wirkungsbereich des Menschen. Manchmal sind wir uns gar nicht immer bewusst, welche Auswirkungen unsere Handlungen und unsere Begegnungen haben, denn manchmal ist es nur eine „freundliche Hausführung“ des Gastgebers oder ein „herzliches Guten Morgen“ eines kleinen Mädchens.
Heiko Stöhr, Leitung der AllgäuWeite


